Auto statt Acker: Wie können wir den Bodenfraß stoppen?

Seit einigen Monaten „ziert“ ein großes Plakat die südliche Einfahrt in unsere Gemeinde. Die Aufschrift verheißt „BALD AUCH HIER“ und im Hintergrund des Bildes sind Autos zu erkennen.

Zu sehen ist: ein Acker mit einem Plakat darauf. Text: Bald auch hier. Bild: ein Auto.

Sehr rasch wurde ich als Grüne empört – auch von Auswärtigen – darauf angesprochen, aber auch dem Bürgermeister wurden entsprechende Fragen gestellt. In einer Zeit, in der wir mit Überschwemmungen zu kämpfen haben, Ackerland verlieren und die Artenvielfalt schwindet, stellt sich tatsächlich die Frage, warum wir weiterhin Boden versiegeln. Das Pikante hier: Boden versiegeln ausgerechnet für Autos!

Eine Frage war: „Warum verwandeln wir diese Fläche nicht in eine Blumenwiese?“ Diese Frage mag naiv klingen und die schnelle Antwort darauf ist „Weil es sich nicht auszahlt!“. Der Eigentümer möchte sein Land zu einem guten Preis verkaufen, und eine Blumenwiese lässt sich leider nicht im Marktwert abbilden.

Das ist ein grundsätzliches Problem: nur Boden, auf dem gebaut werden kann, scheint ein monetärer Wert zugestanden zu werden. Gesamtgesellschaftlich betrachtet hätte das betreffende Grundstück allerdings den größten Wert, wenn es ganz einfach nicht verbaut wird. Das muss sich ändern, jedoch kann dieses Problem nicht von einer Gemeinde bewältigt werden. Auch wenn diese natürlich mit der Ressource ihrer Böden sorgsam umgehen muss. Es bedarf hier Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf den höheren Ebenen des Landes und des Bundes. Das Land Steiermark könnte z.B. nach Tiroler Vorbild einen Bodenfonds für Gemeinden einrichten, damit diese die notwendigen finanziellen Mittel erhalten, um Grundstücke zu erwerben. Außerdem wäre anzudenken, nach dem Vorbild der Förderung für landwirtschaftliche Bracheflächen den Gemeinden auch das Nicht-Versiegeln von Flächen finanziell abzugelten, um sie vor Versiegelung zu bewahren. Für solche Änderungen braucht es aber viel Druck der Bevölkerung, von uns! Sonst ändern sich die Dinge so, wie sie niemand will: noch mehr Überschwemmungen, weil das Wasser nirgendwohin kann, noch weniger Insekten, Kleinlebewesen und Pflanzen und noch mehr Betonwüsten.