Von der Pioniertat zur Normalität in St. Kathrein

Im Jahre 2004 wurde das Dach der Volksschule St. Kathrein am Offenegg saniert. Für mich war schon damals klar, dass wir in diesem Zusammenhang auch ein Zeichen für die zukünftige Energieversorgung setzen müssen: in Form einer Photovoltaik-Anlage.

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Die Gemeindevertretung unter Bürgermeister Peter Stanzer unterstützte diesen Plan, jedoch war die Finanzierung ungewiss. So wurde die Arbeitsgemeinschaft „Sonnenbörse Almenland“ gegründet, um das Projekt PV-Dach-Volksschule sowie das „Goldene Dachl“ am Gasthaus Schwaiger zu finanzieren. Es konnten 127 Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen gewonnen werden, sogenannte „Sonnenscheine“ à 100 Euro zu erwerben. Dadurch konnten die Anlagen finanziert werden und der Bau der Module beginnen. 13 Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger bauten in unzähligen Arbeitsstunden die Photovoltaik—Dachschindel in Selbstbauweise. Unter der Leitung von Herrn Ing. Wolfgang Feigl wurde im „Kulturstadl“ gelötet und gewerkt.

Der jüngste Teilnehmer, Herr Martin Bratl, war damals 13 Jahre alt, der Älteste, Herr Franz Krainer sen., 67 Jahre alt. Sogar der Volksschuldirektor Herr Franz Häusler hat sich am Bau der Anlagen beteiligt. So konnten die Anlagen im Herbst 2004 von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic in Betrieb genommen werden. Die Anlage der Volksschule wurde nach dem Ablaufen der Einspeisevergütung im Jahre 2017 an die Gemeinde St. Kathrein übergeben. Der Jahresertrag von ca. 2800 Kilowattstunden kann dadurch den Netzbedarf reduzieren.

Und 20 Jahre später:

Durch erstklassige Förderungen der Bundesregierung konnten auf dem Musikheimdach und auf Teilen des „Kathreinerhauses“ eine 50 kWp Photovoltaikanlage, sowie eine Stromspeicheranlage mit Notstromfunktion, errichtet werden Erfreulicherweise hat das Sonnendach auf der Volksschule bereits viele Nachahmer:innen gefunden, speziell im Ortsteil Schmied in der Weiz und auch im Oberdorf ist Photovoltaik kein Fremdwort mehr.

Die nachhaltige Mobilität stottert aber noch gewaltig: Es ist kaum zu glauben, aber die Möglichkeit, sein Auto schadstofffrei und fast zum Nulltarif zu betreiben, will und will einfach nicht in die Köpfe unserer Mitbürger:innen. Wovor haben die Menschen Angst? Ich weiß es nicht. Meine Hoffnung ist, dass sich das Nutzungsverhalten hier ähnlich entwickelt wie damals bei den sogenannten „Wischhandys“: denn diese wurden vor ca. 10 Jahren auch noch verteufelt. Fast alle hatten zu diesen Dingen nur eine Aussage parat: „Dieses Klump brauch ich nicht.“ - Heute hat jede und jeder eines. Dieses Umdenken muss auch in die Köpfe unserer Politiker:innen, denn auch der Flugtreibstoff sowie der Treibstoff für Kreuzfahrtschiffe muss angemessen besteuert werden. Dann würden nur mehr 50% dieser Reisen interessant sein. Der Massentourismus in Portugal, Spanien und Griechenland würde sich schlagartig halbieren. Und es ist einfach nicht zu verstehen, dass ein Billig-Flug von Wien nach London weniger kostet als eine Fahrt mit dem Zug, Bus oder Auto von Wien nach St. Kathrein am Offenegg. Mein Beitrag für dieses Manko in der nachhaltigen Mobilität wird eine Exkursion nach Niederösterreich sein, wozu ich alle Interessierten herzlich einlade. Ziel der Exkursion ist der energieautarke Bauernhof von Wolfgang Löser in Streitdorf. Herr Löser betreibt seine Traktoren mit Sonnenblumenöl, welches er selbst produziert. Er fährt natürlich Elektroautos, welche er mit seinen Photovoltaikanlagen ladet und betreibt ein Pflanzenölblockheizkraftwerk.

10. Oktober 2024

Anmeldung bei: Robert Santner, 0677 62 78 45 40