Premstätten: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten

Premstätten: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten

Wir alle haben das Stehen im Stau auf der A9 in Graz Umgebung Süd zwischen Wildon und dem Knoten Graz-West schon erlebt. Die Errichtung einer dritten Fahrspur sei „alternativlos“, habe eine Studie der TU-Graz und Trafility GmbH im Auftrag der letzten steirischen Landesregierung ergeben. Allerdings kommt das Wort im gesamten Bericht kein einziges Mal vor ...

Nicht nur aus rein verkehrstechnischer Sicht macht es Sinn, den Verkehr flüssig zu halten. Das erreicht man am besten durch gleichmäßiges Fahren. Abruptes Bremsen ist der Beginn einer Welle, die scheinbar „aus dem Nichts“ in einem Stau endet. Diese Erkenntnis wurde schon vor Jahrzehnten durch einen deutschen Bericht in unsere Wohnzimmer gesendet und hat mich damals unglaublich fasziniert. Seither versuche ich, nicht nur meinen Gatten von vorausschauendem Fahren zu überzeugen. In anderen Ländern ist längerer Stillstand nicht die Regel. Man kommt voran, langsamer, aber doch! Diese Erfahrung durfte ich immer wieder in vielen verschiedenen Ländern machen, jedoch NIE in Österreich.

Wie heißt es so schön? Sei selbst die Veränderung, die du dir für die Welt wünschst! Das hat uns ein gewisser Herr Gandhi geraten. Nicht nur unsere Psyche profitiert von einer rücksichtsvollen Fahrweise, auch jedes Leben in Mutter Natur durch geringere CO2-Emissionen und niedrigerem Lärmpegel. Unterstützt wird dieses Verhalten durch eine Temporeduzierung auf 100km/h und ein Benützen der Bahn. Immer dann, wenn es für mich eine durchführbare Option ist, lasse ich mein Auto daheim. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, wird man immer öfter diese Entscheidung treffen.

Eine dritte Fahrspur würde ich höchstwahrscheinlich nicht mehr ausprobieren können. Durch die zeitraubende Planungsarbeit und lange Bauzeit wird uns das erhoffte Endergebnis mit ziemlicher Sicherheit nicht gefallen. Wer heute JA dazu sagt, wird sich für den ansteigenden Bodenverbrauch entlang der Autobahn verantwortlich fühlen müssen, denn durch dieses Vorhaben wird es unweigerlich zu einer verstärkten Ansiedelung von großen Betrieben kommen. Die Zunahme des Verkehrs werden wir beklagen, denn sie soll 25% betragen. Davon werden auch in geringerem Maße unsere Gemeinde- und Landesstraßen betroffen sein. Wollen wir das wirklich?

Die Studie hat jedoch auch Alternativen untersucht und liefert konkrete Vorschläge im Bereich der Ein- schränkungen beim motorisierten Individualverkehr und dem weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Manuela Petritsch