Interview mit Judith Schwentner

Du warst vor kurzem im niederländischen Groningen, einer Partnerstadt von Graz. Welchen Eindruck hast du von dort mitgenommen?

Zu sehen ist: Judith Schwentner

Groningen ist wirklich ein Vorbild in Sachen Radverkehr. Deutlich mehr als die Hälfte aller Fahrten werden dort mit dem Rad zurückgelegt. Spannend war für mich aber auch, dass in Groningen zwar sehr viele mit dem Fahrrad unterwegs sind, es aber zu wenig Platz für Fußgänger:innen gibt. Das hat mich darin bestätigt, dass wir Fuß- und Radverkehr immer zusammen denken müssen, insbesondere um die Sicherheit von Kindern und älteren Menschen zu gewährleisten.
Wohin soll sich Graz weiterentwickeln?
In Graz ist in den letzten Jahrzehnten sehr viel gebaut worden, die Stadt ist extrem schnell gewachsen. Es wurde aber verabsäumt, auf den Raum zwischen den Fassaden zu schauen, also auf den Raum, in dem wir uns aufhalten und leben. Wenn eine Stadt wie Graz wächst, darf sich das nicht nur auf die Gebäude beschränken, es muss auch die Seele der Stadt mitwachsen. Viel Platz und Grün für ein gutes Miteinander zu schaffen, steht daher im Fokus meiner Politik. Das klingt einfach, ist es aber nicht, denn natürlich gibt es unterschiedliche Interessen, die zu Konflikten führen können. Daher ist es unser Ziel, die Menschen vor Ort mitzunehmen und einzubeziehen. Ein positives Beispiel ist die neue Fahrradstraße in der Oberen Neutorgasse, wo ein vormals verparkter Straßenzug mit Bäumen, Blumenbeeten und neu entstehenden Gastgärten nun wieder zur Geltung kommt.
Woher holst du dir die Inspiration für deine Politik?
Inspiration finde ich, wenn ich über den Tellerrand schaue, mit unterschiedlichen Menschen im Austausch bin und mich auf das Andere, das noch Unbekannte einlasse - in fremden Städten ebenso wie in unserer eigenen Stadt.