Interview mit Judith Schwentner

4 Fragen an die Vize-Bürgemeisterin

Zu sehen ist: Judith Schwentner

Andere Parteien und einzelne Medien kritisieren, dass es in Graz so viele Baustellen gibt. Was halten Sie dem entgegen?

In jeder lebendigen Stadt entstehen Baustellen. Wir bauen den Öffentlichen Verkehr aus und machen das Zu-Fuß-Gehen und das Radfahren sicherer. Für die größte unserer Baustellen, jene im Neutorviertel, wurden die Weichen von jener Partei gestellt, die jetzt am lautesten darüber jammert. Wir machen das Beste daraus, nämlich einen lebenswerten Stadtraum.

Welche Möglichkeiten haben Menschen, die aufs Auto angewiesen sind, auch in Zukunft in die Innenstadt zu fahren?

Die gleichen wie bisher. Wir haben in Zentrumsnähe mehr als 2.000 Stellplätze in Tiefgaragen und nach wie vor Kurzparkzonen. Wir kämpfen für eine Innenstadt zum Wohlfühlen, nicht gegen Autos. Unser Ziel ist eine noch stärkere Nutzung der Öffis und anderer Alternativen durch bessere Angebote. Das heißt konkret: Höhere Taktfrequenzen bei Bus und Bim sowie breitere und sicherere Geh- und Radwege.

Die Wirtschaftskammer wirft der Stadtregierung vor, mit ihrer Politik dem Innenstadt-Handel zu schaden. Was antworten Sie auf die Kritik?

Es wird immer wieder behauptet, dass weniger Parkplätze zu weniger Umsatz führen. Ein Hauptproblem des Handels sind die Online-Anbieter. Wir haben uns vorgenommen, den stationären Handel durch eine noch wohnlichere Innenstadt zu unterstützen. Je wohler sich die Menschen in der City fühlen, desto länger bleiben sie dort und können in Gastronomie und Handel konsumieren. Studien der Wirtschaftskammer belegen, dass zum Beispiel mehr Radverkehr mehr Handelsumsatz bewirkt und nicht weniger.

Lange wurde von anderen versucht, die Grünen als „Verbotspartei“ darzustellen. Woher kommt das?

Diese Rolle wurde uns oft zugeschrieben, weil wir uns schützend vor die Natur und das, was uns am Leben hält, stellen. Unter dem Einfluss Grüner Politik sind auch Gesetze entstanden, durch die Luft und Wasser weniger verschmutzt und wertvolle Rohstoffe wiederverwertet werden. Das kommt allen Menschen zugute.